Zusammenfassung der Unterschiede zwischen Baptisten und Protestanten.

Im allgemeinen wird jeder einer der drei Konfessionen zugeteilt: Wer weder Jude noch Katholik ist, gilt automatisch als Protestant. Von daher werden Baptisten oft zu den Protestanten gerechnet, was jedoch nicht ganz den Tatsachen entspricht. Protestanten gibt es seit der Reformation im sechzehnten Jahrhundert. Unter dieser Bezeichnung fasst man Lutheraner, Reformierte etc. zusammen, die sich in der Reformation von der römischen Kirche lösten, um eigene Gruppierungen zu bilden. Baptisten jedoch, die es bereits Jahrhunderte vor der Reformation gegeben hat, haben nie der römisch-katholischen Kirche angehört.

Baptisten versuchen nicht, ihre Ursprünge in das apostolische Zeitalter zurückzuverfolgen, sondern machen lediglich geltend, dass es in jeder Epoche der Kirchengeschichte Gruppierungen gegeben hat, die die Glaubensgrundlage der heutigen Baptisten geteilt haben. Dazu gehören z.B. die Mantanisten (150 n. Chr.), Novatianer (250 n. Chr.), Donatisten (305 n. Chr.), Paulinisten (650 n. Chr.), Waldenser (1170 n. Chr.), und schließlich die Anabaptisten, die kurz vor der Reformation auftraten. Das Zeugnis der Geschichte widerspricht der Auffassung, es habe bis Martin Luther nur eine einzige Kirche, nämlich die römisch-katholische, gegeben. Dies zu behaupten wäre ein schwerer Irrtum.

Auch nicht-baptistische Quellen bezeugen das hohe Alter der Baptisten. Kardinal Hosius (1504-1579) war römischer Prälat und hatte es sich zur Lebensaufgabe gesetzt, außer katholische Gruppierungen zu erforschen und zu unterdrücken. Papst Paul IV ernannte ihn zu einem der drei Vorsitzenden des berühmten Konzils von Trient. Er gilt als der Experte für Lehren und Geschichte der nicht-katholischen Bewegungen der Nach-Reformation. Er schreibt über die Baptisten: "Hätte man die Baptisten nicht ernstlich gefoltert und während der letzten 1200 Jahre mit dem Messer umgebracht, wäre ihre Zahl größer als alle (Anhänger der) Reformation." (Briefe Apud Opera, S. 112/3). Die Baptisten finden also ihren Ursprung 1200 Jahre vor der Reformation.

Es gibt sechs wesentliche Merkmale in der Lehre, die die Baptisten von den Protestanten unterscheiden.

(1) Baptisten glauben: Für Glauben und Leben reicht Gottes Wort, die Bibel allein aus. Im 2. Timotheusbrief 3,16-17 heißt es: Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Besserung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. Verschiedene protestantische Kirchen halten an Glaubensbekenntnissen, Katechismen und Dogmen fest, während sich die Baptisten ausschließlich am Wort Gottes orientieren.

(2) Baptisten glauben: Christus ist das ausschließliche Haupt der Gemeinde. Im Epheserbrief 5,23 steht dazu: ...wie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde... Es gibt also kein menschliches Oberhaupt der Baptisten-Gemeinden. Deshalb gehören die Baptisten keiner Konfession an und sind keiner Dachorganisation untergeordnet, die für die einzelnen Ortsgemeinden weisungsberechtigt wäre. Jede Ortsgemeinde ist unabhängig und hat sich lediglich vor Christus, ihrem Haupt, zu verantworten, wobei eine Baptistengemeinde Gemeinschaft mit Gemeinden gleicher Ausrichtung pflegt.

(3) Baptisten glauben: Die Gemeinde ist unabhängig vom Staat. Baptisten treten entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Aus der Lehre Christi geht diese Trennung deutlich hervor: ...So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! (Matt. 22,21). Die Baptisten glauben, dass die Idee einer Staatskirche, an der die protestantischen Reformatoren festgehalten haben, eine Missachtung der Lehre der Heiligen Schrift darstellt.

(4) Baptisten glauben: Jeder Mensch hat sich persönlich vor Gott zu verantworten. Weder Priester noch Kirche können für uns vor Gott Rechenschaft ablegen. Kein Taufpate oder Elternteil kann sich für uns verantworten. Die Bibel macht dies im Römerbrief 14,12 deutlich: So wird nun ein jeglicher von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Der Glauben der Eltern hat keinen Einfluss auf den Heilszustand der Kinder. Selbst die Identifizierung mit einer Religionsgemeinschaft kann nicht retten. Jeder muss sich selbst vor Gott verantworten.

(5) Baptisten glauben: Die Taufe ist nicht heilsnotwendig, ist auch kein Sakrament. Sie geschieht durch Untertauchen und folgt der Bekehrung. Die Baptisten bekennen sich also zur ausschließlichen Taufe von Gläubigen, der Glaubenstaufe. Keiner der Reformatoren ist jedoch zu dieser biblische Lehre zurückgekehrt. Die biblische Reihenfolge lautet sehr deutlich: Dem Glauben unserer Umkehr zu Gott folgt die Taufe. In Apostelgeschichte 2,38 wird geschildert, wie Petrus am Pfingsttag verkündigt hat: ...Tut Buße und ein jeglicher von euch lasse sich taufen... Da bei der Kindertaufe keine Buße vorhanden ist, lehnen die Baptisten die Taufe von Babys ab und folgen der Lehre Christi und der Apostel mit ihrer Taufe von bußfertigen Gläubigen.

(6) Baptisten glauben: Gemeindeglied kann nur sein, werwiedergeboren ist. Voraussetzung jeglicher Mitgliedschaft ist das persönliche Bekenntnis des Glaubens an Christus. Laut Apostelgeschichte 2,41 galt in der apostolischen Gemeinde: Nur wer gläubig geworden war, sich von seinen Sünden abgewandt und das Wort Gottes anerkannt hatte, wurde getauft und als Mitglied in die Gemeinde aufgenommen. Eine automatische oder formelle Mitgliedschaft gibt es also in der Baptistengemeinde nicht, genauso wie es sie in der neutestamentlichen Gemeinde nicht gab.

Baptisten halten also entschieden an den ursprünglichen Weisungen Christi und den Praktiken der Apostel fest. Sie sind in der Geschichte dafür bekannt, für diese Entschiedenheit sogar ihr Leben einzusetzen. Von Hans Denk, einem Baptisten des sechzehnten Jahrhunderts, stammt folgendes Wort: Glaube heißt, dem Wort Gottes gehorsam zu sein, ob zum Leben oder zum Tode. Vielen gereichten diese Überzeugungen zum Tode. Heute noch halten die Baptisten an dem reinen Wort Gottes als verlässlicher Autorität in allen Fragen des Lebens fest. Deshalb lehnen die Baptisten auch alle menschlichen Religionstraditionen und -praktiken, die nach der Zeit der Apostel entstanden, ab.

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